Was ist Praxispädagogik?

Im Unterricht innerhalb des Bildungssystems bestimmen die Lerninhalte in gewisser Weise die Unterrichtsmethoden und das eine Lernziel wird dabei am besten auf die eine, ein anderes auf die andere Art erreicht. Zudem muss der Unterricht zu den Schüler*innen passen. Und nur, weil sich eine Form des Unterrichts für manche, vielleicht sogar für die Mehrheit, als wirksam erwiesen hat, ist sie nicht unbedingt die Richtige für alle. Wenn das Ziel gesteckt wurde, "alle mitzunehmen", dann sollte es auch unterschiedliche Wege geben, die verschiedenen Schülergruppen zu unterrichten.

Praxispädagogik ist ein solcher Weg, der sich in Bezug auf eine nicht ganz kleine Minderheit eines Geburtenjahrgangs als wirksam erwiesen hat (während es selbstverständlich auch andere Unterrichtsformen gibt, die für andere Jugendliche besser geeignet sind). Praxispädagogik ist dabei nicht auf bestimmte Fächer begrenzt, denn es handelt sich um eine Unterrichtsmethode mit einem sehr spezifischen Ausgangspunkt für ihre Aktivitäten und Denkweisen.

Jedoch kann der Begriff "Praxispädagogik" gelegentlich zu Missverständnissen führen, nämlich dann, wenn Praxispädagogik als Abwesenheit praktischer Zugänge innerhalb anderer Bildungsansätze gesehen wird, was bedeuten würde, dass alle Beteiligten völlig passiv wären. Dies stimmt so natürlich nicht.

Einige sehen die Praxispädagogik als einen Zugang zu sogenannten praktischen Fächern (im Gegensatz zu den theoretischen), und denken sofort an Funken sprühende Trennschleifer und Schweiß treibende Arbeiten, wenn sie dem Begriff begegnen. Die Praxispädagogik ist jedoch nicht an bestimmte Fächer gebunden; diese Beschränkung wäre auch falsch.

Was die Praxisausbildung hingegen auszeichnet, ist, dass der Unterrichtsaktivität immer ein reeller Praxisbezug zugrunde liegt. Das Unterrichtsfundament ist somit prinzipiell immer als sinnvoll konzipiert, und erst im nächsten Schritt werden Lernerfolge ermittelt. Aus der praxispädagogischen Herangehensweise entsteht etwas Faktisches, zum Beispiel Gegenstände oder ein Erlebnis. Das Ergebnis ist real und nicht etwas, das wir uns nur vorstellen. Die Tätigkeit an sich ist somit bedeutsam und eben nicht nur eine unterhaltsame Tätigkeit. Und aufgrund der Ausformung der Gesellschaft haben die Ergebnisse oft auch einen finanziellen Gegenwert.

Allerdings muss unterschieden werden zwischen praktischer Arbeit und Praxispädagogik, denn in diesem Zusammenhang reicht es nicht aus, dass jemand etwas lernt (denn jeder lernt zu jeder Zeit irgendetwas mehr oder weniger absichtlich). Nur wenn jemand durch die Teilnahme zielgerichtet etwas ganz Bestimmtes lernt, kann von einer praxispädagogischen Aktivität gesprochen werden. Die Schüler*innen engagieren sich in der tatsächlichen Wirklichkeit und nicht in einer pädagogischen Fiktion. Es handelt sich um einen Zugang zur Wirklichkeit, der mit bestimmten Lernzielen vor Augen eingerichtet wird.

Kurz gesagt:

Innerhalb der Praxispädagogik ist die Praxis und die Aktivität sinnvoll unter Berücksichtigung ihrer praktischen Resultate (d.h. Produkte) und der intentionellen Lernerfolge. Es ist von expliziter Wichtigkeit, dass sowohl etwas hergestellt wird, das einen Nutzen hat, als auch, dass das gelernt wird, was durch die Aktivität vermittelt werden soll, und beides muss die jeweilige Aktivität rechtfertigen können.