Warum Praxislernen?

Wenn neue Aufgaben zu lösen sind, funktioniert es für manche Menschen in den meisten Fällen sehr gut, sich erst ein theoretisches Wissen anzueignen und es dann in der Praxis zu testen. Vor diesem Hintergrund haben wir nach und nach die meisten Bereiche des Bildungssystems aufgebaut. Wir beginnen mit den abstrakten Grundprinzipien und arbeiten mit ihnen in hypothetischen Situationen. Und wenn wir sie beherrschen, können wir beginnen, sie in der konkreten Wirklichkeit zu testen. Dies ist in der Tat ein ganz ausgezeichnetes Lernmodell in manchen Kontexten. Für einige. Aber für andere ist die Reihenfolge nicht besonders produktiv. Für sie ist es besser, mit konkreten und reellen Aufgaben zu beginnen und dann nach und nach mehr oder weniger bewusst die allgemeineren Grundsätze zu verstehen. Auf diese Weise haben wir alle gelernt, Fahrrad zu fahren, zu laufen und zu sprechen. Und für die meisten von uns war dies auch der Weg, wie wir gelernt haben, ein Telefon zu bedienen – nicht, weil wir lernen mussten, ein Telefon zu bedienen, sondern weil wir das Telefon benutzen wollten.

Für einige Jugendliche ist diese Vorgehensweise eindeutig die produktivste Art und Weise, um den Weg in das Lernen und in eine Ausbildung zu finden, und für einige ist es sogar der einzige Weg. Auf dieser Grundlage absolvierten die Produktionsschulen – ausgehend von den bekannten Prinzipien der Meisterlehre – Unterricht, der auf realer und sinnvoller Produktion basiert. Dies ist keine traditionelle Lehre, bei der ein Lehrer den Gegenstand vermittelt und dann den Lernenden bittet, fiktive Aufgaben zu lösen. Aber es ist auch nicht traditionelles Arbeiten, wo das einzige bedeutende Ergebnis das eigentliche Produkt ist. Das Ergebnis der Aktivitäten ist sowohl die Produktion als auch das Lernen. Das meint wiederum keine 50%-Teilung, sondern einen 100%-Einsatz in beiden Bereichen: Die Produktion und das Lernen sind für sich betrachtet beide sinnvoll.

und warum ein Zentrum?

Produktionsschulen gibt es bereits seit vielen Jahren, worin liegt also der Sinn in der Einrichtung eines Zentrums für Praxislernen? Es gibt mindestens zwei gute Gründe: Erstens bedeutet das Zentrum, dass die Produktionsschulen, während sie weiterhin Angebote für praktisch orientierte Jugendliche in der lokalen Umgebung bleiben, auch einen Zugang zu weitaus spezielleren Ausbildungen in einer überregionalen und internationalen Perspektive für besonders interessierte Mitglieder ihrer Zielgruppe anbieten können. In verschiedenen Produktionsschulen sollen eine oder mehrere Werkstätten sowohl lokale Werkstätten als auch spezialisierte LernLabore im CPL bilden.

Zweitens muss Praxislernen, um ein akzeptierter Teil des formalen Bildungssystems sein zu können, Lernprozesse einem standardisierten Niveau entsprechend durchführen und dokumentieren. Dies ist jedoch nicht als Ziel für alle Teilnehmenden zu verstehen, das alle erreichen müssen, um nicht durchzufallen, sondern als Standard dafür, womit und wie die erreichten Fähigkeiten verglichen werden können. Und wenn die erworbenen Fähigkeiten zudem über Landesgrenzen hinweg als Teil eines gemeinsamen europäischen oder internationalen Bildungssystems kommunizierbar sein sollen, muss dieser Standard international anerkannt sein. Das Zentrum stellt daher standardisierte Qualitätsanforderungen an die Inhalte und die Dokumentation des Praxislernens (angelehnt an das EU-ECVET-System, aber in der Produktionsschulpraxis verankert).

Auf diese Weise wollen wir die Bemühungen unterstützen, die gesamte Kompetenzmasse anzuwenden und einzubringen und mehr junge Menschen in die Berufsausbildung zu bekommen.